Die aktuelle Lage des Opus Dei in Spanien

From Opus Dei info

Autor: EscriBa, 2. März 2007


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Die Kampagne, um 500 Numerarier- und Assoziierten Berufungen in jeder Region zu finden, ist definitiv in Vergessenheit geraten, nicht nur, weil die gesetzten Ziele nicht erreicht wurden, sondern weil sich die bedauerlichen Methoden, die zum Erreichen dieses Zieles angewendet, als kontraproduktiv erwiesen haben. Gut, die verhängnisvollen Methoden waren die von immer, sie wurden allerdings auf eine noch brutalere und unverschämtere Art angewendet...

Die 500 und eine Ernennung ad hoc

Am 19 Oktober 2002 wurde im Zusammenhang mit dem 7.Ordentlichen Generalkongress der Prälatur Ramón Herrando als Generalvikar für Spanien ernannt. Er ersetzte Tomás Gutiérrez, der dieses Amt seit 1984 ausgeübt hat. Einige Monate nach seine Ernennung erklärte ihm der Prälat, worin vor allem die Kampagne der 500 bestünde, und damit dem neuen Vikar nicht die Motivation fehlte, fügte er hinzu: “Wenn sie nicht pfeifen, schlag ich dir den Kopf ab.”

Jetzt kostet es uns ein Lachen, wenn man uns im Werk erklärt, “der Vater habe uns nicht um 500 Berufungen gebeten, sondern er habe uns gesagt, wir müssten arbeiten und beten, damit das Werk seine Arbeit um etwa diese Zahl vermehren könne...”, oder, die 500 seien wie ein Horizont, den wir betrachten könnten, aber kein konkretes Ziel...

Kehren wir zu den Ereignissen zurück. Ramón Herrando versprach – unter dem mächtigen Antrieb, seinen Job zu verlieren – dem Prälaten, möglichst früh 1000 Berufungen zu erreichen, zwischen 2004 und 2005, da die Region Spanien führend und Vorbild für alle andern Regionen des Werkes sei. Die Absicht war, die Kampagne der 500 in Spanien früher als in den anderen Regionen durchzuführen und sie früher als anderswo dem Fußvolk im Werk mitzuteilen. Wenn die Dinge in der allerersten Region des Werkes gut liefen, wäre es einfacher, die Pessimisten und Defaitist aufzurütteln, vor allem die in der leitenden Nomenklatur.

Man hat ein Konzept ins Leben gerufen, das höchst fragwürdig ist und das in alle den Delegationen, Kommissionen und Assessurien kursierte: Man muss die Fristen abkürzen. Ich habe diese euphemistische Phrase viele Male von den Lippen des Regionalvikars und bis hin zu Guillaume Derville dem zentralen Geistlichen Leiter, vernommen. Ramón Herrando begann mit seiner Schwadron von Hohen Direktoren eine diskrete Rundreise durch Spanien, in der er die Studienzentren abklapperte, um die Herzen zu entzünden und um mit Vikaren, Direktoren, Vokalen, Beauftragten, Delegierten etc. zu sprechen, und immer begann seine Rede mit den Worten: „Der Vater ist besorgt darüber, dass seine Kinder in Spanien verbürgerlichen...“ , und er schloss mit der Übermittlung des göttlichen Wunsches nach den 500.

Der proselytistische Druck wendet sich gegen das Werk

2004 wurde intern bekannt gemacht, dass der Vater um 500 Berufungen bat, und der proselytistische Druck verstärkte sich wie nie zuvor. Der Druck ging von oben, vom Prälaten, aus, und er verstärkte sich in absteigender Richtung und intensivierte sich nach Methoden und Techniken. Mit diesen verschärften Taktiken versuchte Javier Echevarría seine Behauptung zu stützen, die er seit 2002 mit Besessenheit wiederholte, dass wir im Werk in Zeiten der Expansion befänden.

Bei den unheilvollen wöchentlichen Treffen von Sankt Raphael hechelten viele junge Leute „von Zuhause“ aus jedem Zentrum, zusammen mit den Mitgliedern des Örtlichen Rates die heiligsten Intimitäten jedes möglichen apostolischen „Objekts“ durch. Formulare wurden ausgefüllt, Informationen weitergeleitet, und indem man die KandidatInnen verteidigte, verwandelte man sie in ein „Objekt“ der Anstrengungen, indem man auf eine rücksichtslose Weise vertrauliche Details ans Licht brachte. Möchtest du, dass wir Hinz apostolisch behandeln? Also gut: Verteidige ihn! Diese außerordentlich unverschämte Vorgangsweise, hat mit der multiplizierten Ungeschicklichkeit der besonderen Herde dieser mittelmäßigen Direktoren die letzte apostolische Initiative des Prälaten kaputt gemacht.

Besonders unglücklich scheint der Ausdruck zu sein, den Ramón Herrando gebraucht hat: die Zeiten beschleunigen, und tatsächlich hat die Kampagne der 500 letztlich dazu gedient, den Zerfallsprozess, dem die Prälatur gerade unterliegt, zu beschleunigen. Der proselytistische Druck war Ursache für Auseinandersetzungen und Spannungen im Werk, und – einige wenige – Früchte, die man gewann und die sehr schnell wieder gingen, und im Gegenzug gab es eine große Zahl von Jüngeren, die weggingen, weil die Methoden, die hier so offenkundig zum Vorschein, gegen ihr Gewissen waren.

Tatsächlich stellten sich viele die Frage, ob das Ziel der Kampagne der 500 wirklich war, diese Zahl an Berufungen zu gewinnen, oder um vielmehr einen positiven und erfreulichen Slogan zu finden, um dem Opus Dei nach der Heiligsprechung des Gründers einen Ziel (und einen Sinn) zu geben. Ein illusorisches, schimärisches Ziel, mit dem man Begeisterung wecken und die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen ablenken will, die die Institution nach innen hat. De facto war die Botschaft, die verdächtig oft und mit Nachdruck von oben verbreitet wurde, dass wir knapp daran wären, die 500 zu erreichen, völlig falsch.

Der unvermutete Befehl zu Kehrtwendung aus Rom

Es schein, dass die Hohen Direktoren in Rom selbst nicht sehr viel Zutrauen hatten, dass diese 500 Berufungen erreicht werden könnten. Während die Delegationen noch jeden Stein umdrehten, um darunter vielleicht die 50 Numerarier zu finden, die notwendig gewesen wären, um die Studienzentren der beiden Abteilungen zu füllen und während beispielsweise Ramón Herrando gerade erst im August 2005 den Vokalen von Sankt Raphael geschrieben hatte („Ein Brief, der um Briefe bittet“), riss die zentrale Leitung in Rom das Steuer auf völlig unkoordinierte Art und Weise herum. Im Sommer dieses Jahres kam aus Rom die Anweisung, die Hälfte der Studienzentren der Region zu schließen und sie im September (2005) als Studentenheime, also quasi über Nacht, zu eröffnen.

Die Region hatte jahrelang mit Rom um die Erlaubnis gekämpft, einige Studienzentren endgültig zu schließen, ohne es zu erreichen, und deshalb traf die Kehrtwendung der Zentralleitung alle völlig überraschend. Wegen der Kampagne der 500 hatte man das Studienzentrum in Galizien aufrechterhalten, obwohl es dort nur mehr einen Numerarier gab, ebenso zwei in Sevilla, drei in Valladolid; das zwei Jahre vorher geschlossene Studienzentrum von Saragossa wurde wieder geöffnet. Man ordnete an, die zu schließen, die gerade erst wiedereröffnet worden waren und die, die man schon Jahre zuvor schließen hätte sollen. Ist das nicht verrückt?

Nachdem man solche Hoffnungen geweckt hatte, war der psychologische Schlag aufgrund der Gewaltsamkeit, mit der vorgegangen worden war, ziemlich traumatisch. Seit 2005 wurden viele der geschlossenen Studienzentren in Studentenheime umgewandelt und neu eröffnet, und um die Kräfte zu konzentrieren, wurde viele andere Zentren für die Arbeit mit Studierenden geschlossen. Um die neuen Studentenheime in Gang zu bringen, wurde eine bemerkenswerte Marketing-Kampagne gestartet und sehr viel Geld investier, und bei diesem Vorgang haben die Spezialisten von IESE (Anm.: private Wirtschaftsuniversität des Opus Dei in Barcelona) und der Universität von Navarra unter Federführung der Regionalkommission fleißig mitgeholfen.

Die Investition von Kraft und Mitteln wurde sehr ernsthaft betrieben. Um eine minimale Zahl von Numerariern zusammenzubekommen, die in der Lage wären, diese neuen Studentenheime zu betreuen, wurden viele universitäre Zentren geschlossen; außerdem wurde ziemlich viel Geld in die Erneuerung gesteckt. Die Resultate waren allerdings wenig Erfolg versprechend. Während des ersten Studienjahres (2005/2006) blieben sie fast leer, weil nach der übereilten Kehrtwendung aus Rom keine Zeit mehr für eine Ankündigung blieb. Dem laufenden Studienjahr (2006/2007) war eine intensive Marketingkampagne vorausgegangen, die auch in der Öffentlichkeit Aufsehen erregte, aber die Zahl der Heimbewohner in den neuen Studentenheimen kam nicht über 10 oder 12, weil es nicht genügend Numerarier im Studentenalter gibt, sodass man nicht mehr Kandidaten zulassen kann, wenn man es nicht riskiert die Kontrolle über das Ambiente zu verlieren.

Die Anstrengungen, neue Heimbewohner zu gewinnen, waren alles in allem dennoch nicht aufrichtig. Man hat von der Substanz gelebt, in den Privatgymnasien und Zentren des Opus Dei Werbung gemacht, denn man suchte Jugendliche, die schon vorher durch ihre Familie oder eine Erziehungseinrichtung in Kontakt mit dem Werk gewesen waren. Aber da auch dieser Bereich nicht sehr viel versprechend war, benützte das Werk, das aus allem seinen Vorteil zu ziehen weiß, die Priester der „Priesterlichen Gesellschaft vom Heiligen Kreuz“, dass sie dort, wo sie ihren Dienst ausüben, die Jugendlichen, mit denen sie Umgang haben, zu diesen Studentenheimen des Opus Dei „lenken und führen“, so hieß es wörtlich.

Das heißt einmal mehr, dass die Prälatur „Treibhauspflanzen“ sucht, Personen, die nichts außerhalb der Grenzen des Opus Dei kennen und die in diesem Umfeld leben und sich bewegen. Das ist allerdings das genaue Gegenteil zu dem, was José María Escrivá gesagt hat, dass wir nämlich keine Treibhauspflanze sind. Wir leben inmitten der Welt und müssen uns allen Winden aussetzen, der Hitze und der Kälte, dem Regen und den Stürmen... („Im Feuer der Schmiede“, 792). Man hat dazu die Erklärung abgegeben, dass die Werbung unter Oberstufenschülern für die Zukunft dieser Institutionen entscheidend sei, denn ein einem Studentenheim würden die älteren Studenten das Ambiente bestimmen und die anderen mitziehen. Das wäre ja nun sehr gut, aber es ist zumindest äußerst befremdlich, die assoziierten und Supernumerarierpriester damit zu beauftragen, als Teil ihrer seelsorglichen Arbeit ihre Pfarrkinder dazu zu überreden, ein Studentenheim des Werkes zu frequentieren, und vor allem, wenn es sich um einen von oben diktierte Hinweis handelt.

In Wahrheit traut sich das Opus Dei kaum mehr zu, eine Person, die mit der hermetisch abgeschlossenen Welt des Werkes nichts zu tun hat, zu überzeugen (zu verführen), und deshalb sucht es sich leichtere Ziele.

Die absurde Logik in der Strategie der Regionalkommission

Aber genau zu der Zeit, in der die geschlossenen Studienzentren als neue Studentenheime eröffnet werden, schließt man historische Studentenheime des Opus Dei oder baut sie radikal um, weil man keine Studenten mehr hat, so zum Beispiel Moncloa, La Estila, Miraflores oder Guadaira. Imposante Gebäude werden filetiert, um daraus kleine Zentren für ältere Mitglieder zu machen, investiert man haufenweise Geld, um das zu renovieren, was wenige Jahre zuvor renoviert worden war, um diese historischen Studentenheime konkurrenzfähiger zu machen, und jetzt schafft man neue, die gleichfalls Unsummen von Geld verschlingen. Und all das spielt sich zu einer Zeit ab, in der die Tradition von Studentenheimen an der spanischen Universität endgültig zu Grabe getragen wird.

Kein Fall ist aber so schockierend wie der in Santiago de Compostela, wo das geschlossene Studienzentrum, das Studentenheim „Coimbra“, ein Gebäude, das in den achtziger Jahren fertig gestellt worden war und niemals voll wurde, und das gigantische Studentenheim „La Estila“ (eröffnet 1948, das zweite Heim des Werkes nach „Moncloa“) beide in derselben Straße, der „Avenida de Coimbra“ und einander gegenüber liegen, Was soll man mit dem Gebäude des Studienzentrums in Galizien machen? Niemand weiß das, da schon „La Estila“ seit vielen Jahren nur mehr zu 15% ausgelastet ist, Tausende Quadratmeter leer stehen und man einen großzügigen Umbau bei den Zimmern der Heimbewohner vorgenommen hat; jetzt folgt eine „Reform der Reform“, um das eben erst renovierte zu schließen und daraus zwei Zentren von Sankt Gabriel zu machen.

Trotz aller Anstrengungen sinkt die Zahl der Numerarier

In den noch bestehenden Studienzentren leben derzeit jeweils weniger als 20 Numerarier, wenn man beide Jahrgänge zusammenzählt; und die Mehrheit – und zwar die besten – verlassen das Werk nach diesen zwei Jahren, nachdem sie ihre spezielle Ausbildung absolviert haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Studienzentrum „Mendaur“ für Männer in Pamplona verlor zu Weihnachten 2006 die Hälfte seiner Bewohner.

Von den 10 Delegationen des Opus Dei in Spanien, Madrid-West, Madrid-Ost, Barcelona, Valencia, Granada, Sevilla, Galizien, Valladolid, Pamplona und Zaragoza behalten nur Madrid-Ost, Barcelona, Valencia, Pamplona und Granada ihr Studienzentrum. Die übrigen Delegationen müssen ihre Kandidaten in ein weiter entferntes Studienzentrum schicken und können nur hoffen, dass ihnen die Kommission frisch gebackene Numerarier zuweist. Die Verteilung junger Berufungen von Sankt Michael hat Spannungen, Zwist und Chaos hervorgebracht. Im vergangenen Jahr wurden einer Delegation drei junge männliche Numerarier angekündigt, die spätestens im September 2006 in die neuen Zentren kommen sollten. Sie kamen nicht, und verständlicherweise waren die Direktoren der Delegation Alarmzustand, denn sie hatten schon alle Möglichkeiten durchgespielt, wo sie denn diese so notwendig gebrauchten Jungen einsetzen könnten. Die Antwort der Kommission war schlicht: „Es gibt sie nicht.“ Und das ist die Wahrheit.

Was nun?

Das ist nun letzten Endes das apostolische Panorama in der Region Spanien des Opus Dei. Die Kampagne der 500 war in jedem Sinn kontraproduktiv: Sie hat viele aufgerieben und Schluss machen lassen, andere haben Anstoß daran genommen, und für viele war es eine Quelle von Frustrationen und Leiden. Das Durchhaltevermögen hat, vor allem unter den Jungen, abgenommen, und es ist eine Atmosphäre von Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit aufgekommen. Wenn man die Wirklichkeit in der Region Spanien betrachtet, versteht man, bis zu welchem Punkt die Theorien der AOP, die ein Bild von Erfolg und Expansion zeichnen sollen, die gleiche Glaubwürdigkeit erreichen wie die Geschichte von Aladins Wunderlampe.

Was man sich heute im Opus Dei vornimmt, ist, sich an junge Familien im zeugungsfähigen Alter heranzumachen und die Arbeit bei Null zu beginnen. Da es nur mehr sehr wenige und sehr kritische junge Supernumerarier gibt und praktische eine ganze Generation für die Arbeit von St. Michael verloren ist, bleibt kein anders Heilmittel als mit neuen Familien zu beginnen, um morgen ausreichende Liquidität in den Zentren von Sankt Raphael. Genau so, wie man in einem neuen Land beginnt, muss man nach 80 Jahren auch mit dem Opus Dei in Spanien von vorne beginnen. In der spanischen Region erfüllt sich wörtlich jener Satz von José María Escrivá: Im Werk sind stehen wir immer am Beginn.

Ein mächtiger Ritter ist Herr von Zaster (Cervantes). Mittlerweile hat man neue Schulen der Primär- und Sekundärstufe geschaffen (auch wenn Escrivá gesagt hat, dass das Opus Dei nie Schulen betreiben werde, denn man wolle sich nicht an die Ordensleute anpassen), und man hat begonnen, ein Netz von Kindergärten zu errichten, um junge Familien zu erreichen, in denen Vater und Mutter auswärts arbeiten und sich nicht um ihre Kinder kümmern können, eine Situation, die im heutigen Spanien häufig vorkommt. So kann man sich mit Geschicklichkeit und Geduld in diese Familien einschleichen und die Kinder mit Hilfe der Eltern gewinnen, die keinerlei Verdacht schöpfen, welche Intrige in ihrem Umfeld gesponnen wird.

Eine andere brennende Lunte im Opus Dei ist die zunehmende Professionalisierung der Vereinigung der Mitarbeiter. Um alle diese Projekte zum Aufbau einer neuen Infrastruktur ins Werk zu setzen, die materiellen Hebel, das Geld, braucht man sehr viele Ressourcen und eine gute Quelle, und das sind die Menschen, die die Prälatur wirtschaftlich unterstützen. Eine gute Methode, an eine kräftige Geldspritze heranzukommen, ist es beispielsweise, eine Stiftung zur Unterstützung des katholischen Schulwesens ins leben zu rufen, damit die Eltern, die ihre Kinder an katholische Schulen schicken wollen und es sich leisten können, dazu die Möglichkeit haben sollen. Das ist natürlich sehr schön, allerdings fügt man dann inoffiziell hinzu, dass die einzigen wirklich katholischen Schulen in Spanien die vom Opus Dei seien und dass das Geld dazu einzig und allein für Stipendiaten dieser Erziehungszentren des Opus Dei verwendet werden soll.

Ohne zu übertreiben könnte man sagen, dass man in der Region Spanien jede Berufung als eine wirtschaftliche Investition betrachtet, denn auf der Basis des Geldausgebens schafft man für jede Person den Kindergarten, um sie aufzubewahren, die Schulen, um sie zu erziehen, die Klubs um sie zu zerstreuen, Konvivenzen, damit sie sich erholen können, Studentenheime, um sie unterzubringen, Pfarren, um sie zu unterrichten, Verbindungen, um sie unterzubringen, Verlage, um sie zu indoktrinieren, und Universitäten, um sie zu graduieren etc., um im besten Fall eine Berufung zum Opus Dei zu bekommen.

Da man so viel Geld braucht – Mutter, ich erniedrige mich für das Gold, es ist mein Geliebter und mein Liebender, sagte Quevedo – hat man die Vereinigung der Mitarbeiter neu strukturiert, denn ein Werk, das so verschwenderisch mit seinen Mitteln umgeht, hat immer zuwenig. Mehr noch, man ist sogar auf die Idee gekommen, die ehemaligen Mitglieder zum Wohl des Opus Dei auszunützen, und man sucht eine Formel, dass sich das Werk auf die Exmitglieder stützt, indem man sie - was unerhört ist! – zu Mitarbeitern ernennt. Hinter vorgehaltener Hand geht man dieses Thema an: Das Werk muss es lernen, seine Arbeit an Orten zu machen, an denen es lange Zeit tätig war und wo es viele Personen gibt, die von Zuhause („vom Werk“) waren, man muss die Art und Weise finden, sich auf diese Personen zu stützen, ohne dadurch den Eindruck zu vermitteln, die Untreue zur Berufung sei eine Kleinigkeit.

So hat man angedeutet, dass Personen, die das Werk quasi in oculto (gleichsam heimlich), also auf Betreiben der Prälatur verlassen, offiziell als Mitarbeiter ernannt werden können, auch wenn der Betroffene es nicht mitbekommt oder man es ihm wenigstens nicht ausdrücklich sagt. So versucht man auch aus den vielen Rendite zu ziehen, die das Werk verlassen, und gewinnt zukünftige Mitarbeiter; und, das Beste von allem, man kann den Eindruck dieser gesegneten Erfahrung vermitteln, die eine unaufhörliche besondere Gnade von Gott ist: Diejenigen, die ihre Berufung verlassen, behalten immer eine Zuneigung zum Werk; es ist logisch, dass sie fortfahren zu lieben, was sie einmal geliebt haben.

Klar. Man muss jetzt nur noch einen Ausglich finden zwischen der Möglichkeit, dass Personen, die von Zuhause waren, weiterhin mit dem Werk zusammenarbeiten, und es ist notwendig sie gut zu behandeln, wenn auch ohne Vertraulichkeiten, damit sie sich wohlfühlen. Tatsächlich ist dieses Gleichgewicht aber nicht aufrichtig, denn entweder schickt man diejenigen, die das Opus Dei verlassen haben, in die Hölle, oder man setzt sich der Gefahr aus, dass die, die noch vom Werk sind, ermuntert werden zu gehen. Und schließlich weiß man, dass das Geld ...den Fremdling heimisch macht: Ein mächtiger Ritter ist Herr von Zaster.

Da das Apostolat und der Proselytismus im Opus Dei aufgehört haben, ein göttliches Abenteuer zu sein, und sich vielmehr in eine Form von Anspannung und Terror verwandeln, drängt man darauf sich auf anderen Feldern zu betätigen, damit die Mitglieder des Werkes, die ihre Energien nicht mehr damit erschöpfen können, Proselytismus zu machen – es gibt keine materia prima, kein “Rohmaterial” – etwas zu tun bekommen. Beim 7. Kongress der Prälatur von 2002, entschied man sich beispielsweise der weiblichen Abteilung zu empfehlen, besonderen Einfluss auf dem Gebiet der Mode auszuüben und dass die Männer die Welt des Sports und des Kinos beeinflussen sollen. Damit kommt man manchmal dazu, dass es den Anschein erweckt, das Opus Dei sei dabei, sich in eine kommerzielle Organisation für gesellschaftliche Aktivitäten zu verwandeln.

Nach der fehlgeschlagenen Kampagne der 500 ist man dazu übergegangen, in die Akquisition junger Supernumerarier zu investieren, um die Zentren von morgen zu füllen, aber es schein, dass die Knospen von Sankt Gabriel ebenso wenig ausschlagen, denn Ende 2006 wurde intern die Falschmeldung lanciert, in diesem Jahr hätten in Madrid bereits mehr junge Supernumerarier gepfiffen als 2005 in der ganzen Region. Es gibt Delegationen, in denen 2006 kein einziges Mitglied von Sankt Gabriel gepfiffen hat, das jünger als 40 Jahre war, und tatsächlich gibt es auch keine Konvivenzen für junge Supernumerarier. Ein Fiasko nach dem anderen, nachdem wir jetzt wie nie zuvor in das ökonomische und materielle Imperium des Opus Dei (eingetragenes Warenzeichen) in Spanien investiert haben. Mit solchem blinden Herumtappen, Desorientierung, Willkürlichkeit, Widersprüchlichkeiten in den Strategien, ständigem Kurswechsel, Unordnung und Unangemessenheiten der Direktoren in Rom und Madrid geben der gequälten spanischen Region des Opus Dei nun den Todesstoß.

Ich persönlich gehöre zu denen, die glauben, dass an dem Untergang der Prälatur, der derzeitigen, tiefen und nicht mehr zu heilenden Krise nicht ein Fehler in der Strategie schuld ist, sondern etwas sehr Einfaches und Wesentliches, was danebengeht: Die Mitglieder des Werkes selbst glauben nicht an das Opus Dei, sie misstrauen ihm und gehen auf Distanz; sie ziehen sich zurück und verstecken sich vor der Prälatur, denn die Gründe, die die Institution anführt, überzeugen, nicht ihre Methoden, nicht ihre Ignoranz, gar nichts. Obwohl… dem Niedrigen gibt er einen Sitz und den Feigling macht er zum Krieger. Ein mächtiger Ritter ist Herr von Zaster; dieser Mangel an Geist, Charisma, Offenbarung im Werk kann nicht mit Geld ausgeglichen werden, auch wenn man es in großen Mengen ausgibt – ganz offensichtlich nicht.

Außerdem hat im Werk die Väterlichkeit dem Paternalismus Platz gemacht, und deshalb behandelt man die Mitglieder wie kleine Kinder, und wenn eine gelehrte Autorität des Opus Dei darangeht, in unsere Ohren den Likör der Weisheit ausschenken, der vom Geist des Werkes trieft … Es ist viel schlimmer. Auch wenn im Augenblick der Prälat und der Regionalvikar in weißen Gewändern danach suchen, welchen Weg das Opus Dei in Spanien gehen soll, so kann man sich sicher sein, dass sie mit einer weiteren unbedachten Bemerkung das Nonplusultra des Willens Gottes finden, dieses Gottes des Werkes, der uns treu und glücklich ist es nicht übertrieben, wenn jemand behauptet, dass das Werk unfruchtbar geworden ist, wie eine Mutter, die keine Kinder mehr haben kann.

Ein Zeichen des proselytistischen Fanatismus der Kampagne der 500

Um deutlich zu machen, wie die Wirklichkeit dieser gewaltigen Bewegung im Zusammenhang mit den 500 Berufungen im Akkord aussieht, schreibe ich hier eine der belehrenden Rezepturen auf, die über die Art und Weise belehren, wie der Seelenfang zu anzugehen ist: 27 Schritte. In diesen letzten Jahren haben viele Direktoren im Werk gewechselt, als ob es sich um Passepartout-Bilder handelt, und sie liefern ihre Rezepte zu Berufungen von St. Michael ab, als ginge es um die Zubereitung einer saftigen Mahlzeit.

Das ist das der Stand der Unmoraliät, den die herrschende Klasse im Opus Dei heute erreicht hat. Die Berufungen kommen eben nicht wie ein göttliches Geschenk, das die göttliche Vorsehung von aller Ewigkeit her zum Wohl der Person gewährt hat; es sind nicht diese Überlegungen, die die Prälatur heute leiten. Hier bietet man ein Kochrezept an, ein weiteres Beispiel für die sektiererische Vorgangsweise im Opus Dei.

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